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Abrichtung und Führung

Auf dieser Seite wollen wir neben allgemeinen Themen rund um Zucht und Führung, vor allem die Dressur unserer Jagdgebrauchshunde näher beleuchten und werden daher, - in unregelmäßigen Abständen ergänzt, versuchen, den gesamten Bereich der Abrichtung aufzuarbeiten. Wir lassen uns dabei von der Erfahrung leiten, die wir in der praktischen Arbeit mit Hunden gewinnen durften. Die geschilderten Dressurmethoden sind weder neu noch alleine seelig machend, - aber sie haben sich zigfach bewährt !

Abrichtung und Führung unserer Jagdgebrauchshunde
Von Karl Walch

Einleitung

In der Vergangenheit wurde an mich,von verschiedenster Seite, der Wunsch herangetragen einmal etwas zu den Themenkreisen Abrichtung, Führung in der jagdlichen Praxis und Zucht zu veröffentlichen.

Dieser Wunsch ist leichter formuliert als in die Tat umgesetzt. Wer soll sich dieses Themenkreises annehmen? Wo sind die Praktiker in Abrichtung, Führung und Zucht? Welcher Praktiker ist bereit sein Wissen schriftlich zu formulieren und einer breiten Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen? Kennen Sie die Situation, wenn derartige Fragen nach der Übernahme von Verantwortung in vermeintlich kompetenter Runde gestellt werden und plötzlich Totenstille im Raum herrscht, jeder auf den anderen schaut oder gar um Themenvertagung bittet?

Nach langen Überlegungen mußte ich erkennen, daß der Wunsch nach einem „Dressurleitfaden“ offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist, wenn ich nicht selbst bereit bin die ersten Schritte zu wagen. Damit möchte ich nochmals meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß sich langfristig auch andere Jagdgebrauchshundeführer an der Bearbeitung des Themas beteiligen.

Mir ist völlig klar, daß jede(!) schriftliche Darstellung dieser Thematik Kritiker auf den Plan rufen kann. Zum einen, weil es innerhalb des JGHV eine ganze Reihe von Rüdemännern gibt, die über mehr Erfahrung in der Abrichtung verfügen und zum anderen weil sich erfahrungsgemäß beinahe jeder „Waidmann“ für jagdlich äußerst kompetent hält.

Mein Ziel ist es die Abrichtung und Führung unserer Jagdgebrauchshunde in Feld, Wald und Wasser schrittweise darzustellen. Dies soll und muß vor dem Hintergrund der jagdlichen Praxis aber auch der Zucht geschehen. Jagdliche Erlebnisse mit selbstgeführten Hunden verschiedenster Rassen in über dreißig Jagdjahren werden hierbei sicherlich einfließen müssen und das Bild abrunden.
Begleiten Sie, lieber Leser, meine Ausführungen mit Ihrem kritischen Sachverstand und beteiligen Sie sich an der Bearbeitung der Themen.

Karl Walch, Mai 2007

Grundsätzliches

„Jäger ohne Hund ist Schund“?

Mit diesem bekannten und ebenso oft in Jägerkreisen zitierten Spruch wird auch heute noch für den Jagdgebrauchshund „geworben“. Ist er aber bei unseren heutigen Jagdverhältnissen richtig und wahr? Ich behaupte er ist nicht nur falsch sondern gefährlich! Warum dies? In beinahe allen Landesteilen ist das Niederwild und allen voran das Rebhuhn dramatisch zurückgegangen. Daran sind nicht nur die Auswirkungen einer haarsträubenden Landwirtschaftspolitik, das Wetter und der liebe Gott schuld, sondern auch in ganz wesentlichem Maße wir Jäger selbst. Wir haben es u.a. zugelassen, daß unsere Interessenvertretungen Raubwild (Dachs) über Vereinbarungen geschont hat und viele Jäger haben in der Zwischenzeit von der Raubwild- und Raubzeugbejagung so viel Ahnung wie die Jungfrau vom Kinder-kriegen. Fragen Sie in diesem Zusammenhang doch einmal Ihren Hegeringleiter und Ihren Zuchtvereinsvorsitzenden wieviel Stück Raubwild er im laufenden Jagdjahr gestreckt hat. Ich bin sicher Sie werden staunen. Apropos, was haben Sie dieses Jahr zur Biotopverbesserung beigetragen?

Wenn wir also morgen noch Niederwild jagen wollen, muß jeder von uns seinen Beitrag zur Biotopverbesserung und zur massiven Absenkung des Räuberdruckes leisten. Vielerorts ist unser Niederwild bereit am Rand des Zusammenbruches. Ohne unsere Hilfe ist es verloren! Damit stellt sich für uns hundebegeisterte Jäger zwangsweise die Frage für welches Wild, für welche Jagdart brauche ich persönlich einen Jagdgebrauchshund? Bin ich selbst körperlich und zeitlich in der Lage einen gut veranlagten, passionierten Gebrauchshund auszulasten?

War es also früher in erster Linie das Niederwild, das in den meisten Revieren unser jagdliches Handeln und Denken bestimmte, so ist es heute vielerorts das Schalenwild und das allgegenwärtige Raubwild. Damit hat sich zwangsweise das jagdliche Anforderungsprofil an unsere Hunde geändert, oder anders ausgedrückt die Vorstehleistung als funktionstypisches Verhalten unserer Vorstehhundrassen ist in vielen Revieren zu Gunsten der Stöberarbeit in Hintergrund getreten.

Wer hier meint die deutschen Vorstehhundrassen würden dabei in dieser Situation , quasi als Rassekonkurrenz, in die Domäne der klassischen Stöberhundrassen ein- brechen irrt. Der deutsche Vorstehhund ist seit alters her als Vollgebrauchshund gezüchtet worden. Nicht ohne Grund ist daher auch das Fach „Stöbern“ ein Kernfach der VGP bei den Waldfächern. Aus meiner Sicht der Dinge ist die hierzu von einzelnen Stöberhundrassevertretern derzeit angezettelte Meinungsmache gegen den Einsatz von Vorstehhundrassen bei Waldjagden ein mehr als dümmlicher Kampf um „Marktanteile“. Nur allzu leicht wird hierbei vergessen: was zählt ist die Leistung, sonst nichts!

Wenn wir nach dieser kurzen Situationsbetrachtung deutscher Jagdverhältnisse auf den eingangs zitierten Satz: „Jäger ohne Hund ist Schund!(?) zurückkommen, läßt sich m.E. unschwer feststellen:

Gemessen an der Anzahl der jagdlichen Einsatzmöglichkeiten haben wir in Deutschland zu viele Jagdgebrauchshunde.
Wir beschäftigen uns teilweise mit Jagdhunderassen, deren züchterische Zielsetzungen nicht mit den Anforderungen deutscher Jagdpraxis konform gehen.
Unsere züchterischen Selektionskriterien hängen viel zu sehr am Prüfungswesen und viel zu wenig an der jagdlichen Leistungsfähigkeit eines Hundes im Jagdbetrieb.

Ich bin daher der Meinung, daß wir jedem Jäger, der nicht über die nötige Einsatzmöglichkeit und –häufigkeit und die dazu nötige Zeit verfügt, dringend vom Erwerb eines Jagdgebrauchshundes abraten müssen. „Gelegenheitstäter“ erreichen mit ihren Hunden niemals die nötige Übungsschwelle, schaden dem Ansehen der Jägerschaft und sind für unser Wild mehr Fluch als Segen.

Das Gleiche gilt für den jagdpraktischen Einsatz von Hunden, die nicht wild- und raubwildscharf sind und zu allem Übel vielleicht noch stumm jagen. Wer sich mit solchen Hunden auf der Jagd die Zeit vertreibt, hat jedenfalls die Ehrenbezeichnung „Waidmann“ nicht verdient.

Züchterisch gesehen, befinden wir uns derzeit in vielen Bereichen in einer äußerst schwierigen Situation: zur Gewährleistung einer hohen genetischen Bandbreite benötigen wir mehr Hunde als wir derzeit jagdlich auslasten können. Das Problem ist also mit „weniger züchten“ alleine nicht gelöst. Dringend notwendig erscheint mir aber eine stärkere jagdpraktische Orientierung in der Auswahl der Zuchttiere. Wir haben viel zu viele „Prüfungshunde“, geführt von ebensolchen „Prüfungsführern“, die Herr wie Hund im praktischen Jagdbetrieb keine nasse Zeitung zerreißen. Züchter und Zuchttiere müssen Praktiker sein.

Irgendwann fängt alles an............

„Wann beginnt eigentlich die Abrichtung unserer Jagdhunde?“, ist eine nicht nur bei der Ausbildung von Jungjägern oft zu hörende Frage. Die Abrichtung, oder anders ausgedrückt die Erziehung des Gebrauchshundes greift eng zusammen mit der Aufzucht- und Prägungsphase des jungen Hundes, der schon von seinen ersten Lebenswochen an gezielt an sein späteres Aufgabenfeld herangeführt wird. Die „Dressur“ des jungen Hundes läßt sich damit nicht an einen bestimmten Lebens-monat(e) knüpfen, sondern setzt in Form einer behutsamen, das Selbstvertrauen fördernden aber stets konsequenten Erziehung bereits bei Übernahme des Welpen durch den zukünftigen Besitzer ein. Der Welpe wird systematisch aufgebaut und lernt gleichzeitig seinen zweibeinigen Meutegenossen als „Rudelführer“ zu akzeptieren und sich ihm unterzuordnen.

Wer in dieser Phase der Aufzucht dem jungen Hund keine Gelegenheit gibt seine Sinne zu entwickeln, die „Welt“ zu entdecken und zu erobern, Selbstvertrauen zu schöpfen, Eigeninitiative zu entwickeln und den Körper zu trainieren, der degradiert seinen Hund zum armseligen Befehlsempfänger.

Es muß an dieser Stelle aber auch erwähnt werden, daß entscheidende Weichen in der Entwicklung des jungen Hundes bereits beim Züchter gestellt werden. Sterile Aufzuchtbedingungen ohne Kontakt zu anderen Artgenossen und fremden Menschen und ohne positive Erlebnisse bei den ersten Reviergängen mit Mutterhündin und Züchter sollten der Vergangenheit angehören. Sie sind weder artgerecht noch tierschutzkonform! Der Züchter trägt in der Phase der Welpenaufzucht bis zur Abgabe an den neuen Besitzer die volle Verantwortung für das neu geschaffene Leben. Keine noch so gute Abstammung kann diese wichtige Rolle des Züchters ersetzen. Von Seiten der Welpenkäufer sollte daher größter Augenmerk auf die Sorgfalt der Aufzucht durch den Züchter gelegt werden. Wie bei fast allen Dingen des Lebens greifen aber auch hier die einfachen Gesetze des Marktes. Das Bessere ist der Feind des Guten! Gewissenhafte Züchter werden sich durchsetzen.

Über das Heranführen des jungen Hundes an seinen „Beruf“ als Jagdhund ist gerade in Bezug auf den Einsatz der Reizangel und der Futterschleppe in der jüngeren Vergangenheit viel gesagt und im Rahmen von Prägungsspieltagen demonstriert worden. Lassen Sie uns diese Punkte an dieser Stelle übergehen und die Abrichtung in den Fächern des Grundgehorsams näher beleuchten.

Zum Grundgehorsam aller Jagdgebrauchshunderassen gehört die Abrichtung in den Fächern:

Leinenführigkeit
Sitz
Platz
Folgen frei bei Fuß
Ablegen
Down (Halt)

Die Leinenführigkeit

Diese sechs o.a. Grundgehorsamsfächer wurden und werden auch heute noch als „Stubendressur“ bezeichnet. In älteren Abrichtebüchern wird gelegentlich Einrichtung und Größe der „Abrichtekammer“ beschrieben. Ohne jegliche Ablenkung von Außen und ohne die Möglichkeit zu entweichen wurde hier „dressiert“. Dies hat sicherlich gewisse Vorteile. Für Hunde, die von frühestem Alter mit allen nur denkbaren Umwelteinflüssen vertraut gemacht wurden und für die ein umherfliegender Singvogel genauso selbstverständlich ist, wie Autogeräusche und Türengeklapper halte ich die Benutzung eines Dressurraumes jedoch in fast allen Fällen für unnötig. Wir sollten aber zu Beginn jedes Abrichteschrittes darauf achten, daß dem Hund nicht durch ungewohnte Ablenkungen der Lernerfolg erschwert wird.

Dem Abrichtungsfach Leinenführigkeit geht die Gewöhnung des jungen Hundes an seine Halsung voraus. Manche Hunde reagieren auf den ungewohnten „Halsschmuck“ mit Kratz- und Schüttelbewegungen um das „lästige Teil“ loszuwerden, andere Hunde verhalten sich gleichgültig und zeigen keinerlei Reaktion. Wir beginnen daher den jungen Hund frühzeitig an die Halsung zu gewöhnen. Dressurhalsungen aller Art sind in dieser Phase der Abrichtung unnötig.

Hat sich der Zögling an seine Halsung gewöhnt, beginnt die eigentliche Abrichtung. Unser Hund wird an einen mit einem Scherenkarabiner versehenen ca. 2,5 m langen “Dressurstrick“ genommen. Ein Bergsteigerseil mit rund 10mm Stärke erfüllt hier bestens seinen Zweck. Lederne Umhängeleinen sind für Dressurzwecke viel zu schade und sehr teuer. Einmal angeleint, wird der Hund nun auf unserer linken Seite zur Folge animiert. Der Dressurstrick wird hierbei nicht umgehängt, sondern mit beiden Händen auf Hüfthöhe gehalten. Unsere Aufgabe ist es nun dem Hund zu vermitteln, daß das Laufen auf Kniehöhe mit Lob verbunden ist, das Vorprellen oder Nachhängen mit unangenehmem Zug und tadelndem Wort verbunden ist. Ein für den Hund deutlich akustisch unterscheidbarer Befehl bzw. Lob (Tonlage!) wie z.B. „Zurück!“ oder ein „Sooo ist es brav mein Hund, bei Fuß“ lassen den Zögling, gepaart mit der Einwirkung über den Zug der Leine, schnell verstehen, was von ihm erwünscht wird. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten wird unser Hund gerne am Riemen laufen. Nun wechseln wir die Geschwindigkeiten und fordern damit seine Aufmerksamkeit. Ein paar flotte Wendungen nach links um 90 oder 180 Grad werden dazu genutzt jegliches Vorprellen zu unterbinden, wenn es beim Wendevorgang gelingt durch gefühlvollen (!) Druck auf die Vorderpfoten (geeignetes Schuhwerk ist hierzu Voraussetzung) dem Hund deutlich zu machen, daß er sich peinlichst genau an Laufrichtung und Geschwindigkeit seines Führers zu orientieren hat. Erst wenn er dies begriffen hat, werden wir unseren Dressurort, egal ob in Haus, Garten oder Hof gelegen, verlassen und Ablenkungen aufsuchen. Diese kann in Form eines anderen Hundes, Hausgeflügel oder auch beim Reviergang in mannigfaltiger Weise gefunden werden.

Wenn auch hier bei Ablenkung und Störung unser Hund korrekt auf Höhe des linken Knies läuft, Wendungen flott ausführt und auch beim Anhalten nicht vorprellt (an diesem Punkt kann zu einem späteren Zeitpunkt das Kommando Sitz erfolgen) werden wir unseren Hund in ein Stangenholz führen. In unterschiedlichen Geschwindigkeiten gehen wir dicht an der rechten Seite der Bäume vorbei und provozieren durch besonders dichtes herangehen, daß unser Hund einmal die verkehrte (linke) Seite wählt. Ein kurzer Ruck am Riemen, ein scharfes Kommando „Fuß“ und unser Zögling, wird auf die richtige Seite gezogen. Richtig praktiziert wird unser Hund sehr schnell lernen Hindernissen auszuweichen und uns auch im dichtesten Gehölz nicht behindern. Dafür wird er ausgiebig gelobt. Diese Übungen können jederzeit und überall problemlos wiederholt werden. Während der gesamten Ausbildung sollten wir uns zum Ziel machen, daß drei 10 minütige Übungseinheiten pro Tag mit positivem Abschluß besser für den Lernfortschritt sind als eine einstündige Paukstunde nach einem streßreichen Arbeitstag des Führers. Führer und Hund müssen an die Übung freudig herangehen und sie im geeigneten (schönsten) Moment positiv beenden.

Sitz !

Nachdem unser Hund gelernt hat ordentlich am Riemen zu laufen und wir ihn an jeden Ort ohne Probleme mitnehmen können, ist es Zeit ihm das Setzen auf Befehl beizubringen. Üblicherweise gibt es hierzu zwei Kommandos: Ein Hörzeichen (Befehl: Sitz!) und ein Sichtzeichen (erhobener Zeigefinger), die sowohl gemeinsam als auch getrennt verwendet werden können.

Zur Abrichtung wird unser junger Hund an unseren eingangs beschriebenen „Dressurstrick“ genommen und an einen störungsfreien Platz geführt. Nach einigen kurzen Übungen in der Leinenführigkeit halten wir an und drücken mit unserer linken Hand, etwa in Höhe der Nierenpartie, auf den Rücken des Hundes, während zeitgleich das Kommando „Sitz“ ertönt und unsere rechte Hand den Dressurstrick nach oben zieht, damit sich unser Zögling nicht hinlegt. So in die Sitzposition ge-bracht, wird unser Hund gelobt. Jeder Versuch sich aufzusetzen wird konsequent unterbunden. Wieviel Druck hierbei angewendet werden muß ist sicherlich von Hund zu Hund verschieden. In jedem Fall verkehrt ist es aber, zu Beginn der Dressur im einzelnen Abrichtefach starken Druck auszuüben. Zu allererst muß unser Hund verstehen was man will und was unerwünscht ist. Es darf daher nur soviel Dressurdruck aufgebaut werden, wie zur Erlangung des nächsten (kleinen!) Lernschrittes notwendig ist. Ein verschüchterter Hund lernt sehr viel schlechter als ein Junghund, der systematisch aufgebaut wird.

Auch wenn es uns oft noch so schwer fällt, wir sollten uns zu eigen mache:

Nie den zweiten Abrichteschritt vor den ersten setzen!

Lieber mehrere kurze Übungen als eine zu lange „Übungsstunde“!

Jede Übungsphase mit einem positiven Schlußerlebnis beenden!

Und noch eins: Jede Abrichtung muß „logisch“ – aus der Sicht des Hundes – aufgebaut sein. Geduld, Ruhe, unerbittliche Konsequenz (auch gegen uns selbst!) und Fingerspitzengefühl, gerade was den Dressurdruck betrifft, bringen uns über kurz oder lang ans Ziel.

Doch zurück zum "Sitz“. Nach wenigen Übungen wird unser junger Hund erkannt , haben, daß er durch sofortiges Setzen den Handdruck auf den Rücken, je nach Charakter des Einzelhundes auch den Gertenhieb, vermeiden kann er für ein bestimmtes Verhalten -das sofortige Setzen auf Befehl- gelobt wird. Wenn die Übung aus dem Stand heraus zu unserer vollsten Zufriedenheit klappt, verknüpfen wir unser bisher benutztes Hörzeichen „Sitz“ mit dem Sichtzeichen „erhobener Zeigefinger“. Vorerst werden beide Signale zeitgleich gebraucht. Nach einiger Zeit können wir das Hörzeichen weglassen und die Übung nur unter Verwendung des Sichtzeichens durchführen. Sollten an dieser Stelle „Verständigungsschwierigkeiten“ auftreten, setzt das Hörzeichen sofort zur Unterstreichung des Befehls ein. Im übrigen wird die Ausführung des verstandenen(!) Sichtzeichens mit den gleichen Mitteln durchgesetzt, wie das Hörzeichen.

Leinenführigkeit und Sitz

Wie schon im Kapitel „Leinenführigkeit“ angedeutet, wird von unserem Jagdbegleiter erwartet, daß er nicht nur ordentlich auf Höhe des linken Knies läuft, sondern daß er auch verharrt, wenn der Führer stehen bleibt. Unser Hund darf also auf keinen Fall vorprellen, wenn wir stoppen. Vielfach wird erwünscht, daß sich der Hund in diesem Fall selbständig, d.h. ohne Hörzeichen setzt. Dazu wenden wir im ersten Schritt zeitgleich mit dem Anhalten das Kommando „Sitz“ an. Ein kurzer Ruck am Riemen entgegen der Bewegungsrichtung unterstreicht beim Stop das Hörkommando. Zur Vereinfachung ritualisieren wir anfangs(!) zusätzlich unseren Stopvorgang, indem wir beim Anhalten deutlich sichtbar und vom Bewegungsablauf auffällig unseren linken Fuß seitlich an den rechten heranziehen. Dieser kasernenhofähnliche Bewegungsablauf erleichtert es unserem Hund beim Üben ungemein sich auf die Abläufe einzustellen. Schon nach kurzer Zeit kann das Hörkommando durch den ritualisierten Bewegungsablauf entfallen. Der Stopvorgang übernimmt mehr und mehr die Rolle eines „Sichtzeichens“. Von Zeit zu Zeit muß allerdings dessen Bedeutung durch zeitgleiches Hörkommando unterstrichen werden und unter Umständen auch mit einem leichten Gertenhieb die sofortige Ausführung eingefordert werden.

Sitzenbleiben

Zur Vorbereitung auf die Abrichtung im Apport, im Ablegen und im Down, aber auch als selbständiges Dressurfach hat es sich bewährt, dem Hund das Sitzenbleiben an einem Ort zu lernen.

Wir befehlen unserem Hund sich zu setzen. Wie bei allen Übungen ist er angeleint. Nun bewegen wir uns, den Dressurstrick in der Hand behaltend, auf Leinendistanz weg von ihm. Jeder Versuch uns zu folgen wird unterbunden. Jetzt beginnen wir den angeleinten Hund zu umkreisen. Auch wenn wir in seinem Rücken stehen bleiben, dürfen wir es nicht dulden, daß er seine Sitzposition verläßt. Er wird stets(!) korrigiert.

Nach zwei, drei Umkreisungen treten wir seitlich an unseren Hund und geben mit dem Kommando „Bei Fuß“ den Befehl zu folgen. Übungen in der Leinenführigkeit, Sitzübungen und Auflockerungen mit Hilfe der Dressurangel wechseln sich in lockerer Folge ab. Später rufen wir unseren Hund auch aus Sitzposition zu uns heran und lassen ihn vor uns wieder setzen. Mit Hilfe der 15 – 20m langen Feldleine werden unsere Kreise und Distanzen immer größer. Wichtig ist es die Reihenfolge der Übungen stets zu wechseln, sonst kann es leicht passieren, daß wir nach drei Umkreisungen stehenbleiben, die Hand in Richtung unserer Doppelpfeife führen und unser Hund ohne unser Rufen oder Pfeifen zu uns kommt. Zwingen Sie den Hund durch wechselnde Vorgehensweise aufmerksam zu sein. Hier sind dem Ideenreichtum, auch was die Ablenkungsmöglichkeiten betrifft, fast keine Grenzen gesetzt.Wenn unser Hund in den Grundgehorsamsfächern „Leinenführigkeit“ und „Sitz“ tadellosen Appell zeigt, ist es Zeit die nächste Übung anzugehen.

Platz!

Neben dem Kommando „Sitz“ ist das „Platz“ der wohl am häufigsten eingesetzte Befehl. Wir benötigen ihn bei allen nur erdenklichen Situationen der Einzeljagd als auch bei einer Vielzahl von Gegebenheiten auf Gesellschaftsjagden. Aber nicht nur auf der Jagd, auch im täglichen Zusammenleben außerhalb des Revieres gehört das „Platz“ zum Einmaleins der Hundeführung. Wie schon beim Kommando „Sitz“ kennen wir auch beim „Platz“ zwei Befehlsarten: das optische Zeichen – die flache, mit der Handinnenfläche zum Boden weisende Hand - und das akustische Zeichen – den Befehl „Platz“. Zur leichteren akustischen Unterscheidung von „Sitz“ und „Platz“ durch unseren Zögling ist es empfehlenswert beide doch sehr ähnlich klingende Worte gezielt unterschiedlich auszusprechen. Es bietet sich an „Sitz“ als „Siiitz“auszusprechen und „Platz“ kurz und scharf zu betonen.

Um unserem Hund das Ablegen und Liegenbleiben an einer Stelle beizubringen, verwenden wir ganz selbstverständlich unseren Dressurstrick. Inwieweit eine Dressurhalsung eingesetzt werden muß, hängt wie immer vom Einzelhund ab. Natürlich gilt auch hier: So wenig Druck wie möglich – so viel wie nötig.
Zu Beginn der Dressur lassen wir unseren Hund sich setzen. Unter gleichzeitigem Befehl „Platz“ ziehen wir nun beide Vorderläufe mit der rechten Hand nach vorne und drücken zeitgleich mit der linken Hand den Hund auf Höhe des Halsansatzes zu Boden. Wo nötig muß hier zur Umsetzung des Befehls mit Dressurhalsung und –strick durch nach unten gerichteten Zug nachgeholfen werden. Hat der Hund die Platzlage eingenommen, sparen wir nicht mit Lob. Wenn der Hund keine Anstalten mehr macht sich zu erheben, lockern wir den Druck durch die linke Hand, stehen auf und wiederholen gegenüber dem liegenden, auf uns achtenden Hund, mehrfach Sicht- und Hörzeichen. Jeder eventuelle Versuch sich zu erheben wird sofort unterbunden. Erst wenn unser Zögling in dieser Lage ruhig verweilt lassen wir ihn durch Zuruf „Auf“ wieder aufstehen und zu uns kommen.
Diese Übung wiederholen wir in den nächsten Tagen so oft, bis unser Hund sich auf den Befehl Platz, sei es als Sicht- oder als Hörzeichen, sofort hinlegt. Nachhilfeunterricht in Sachen prompter Ausführung muß unter Umständen mit Hilfe des Dressurstrickes und dem rasch zu Boden gerichteten Zug erteilt werden. Wenn unser Hund in Folge dieser Abrichtung erkannt hat, was „Platz“ bedeutet, beginnen wir den im Platz liegenden Hund, den Dressurstrick in der Hand haltend zu umkreisen.

Sitzt auch diese Lektion, können wir beginnen den Hund längere Zeit liegen zu lassen und die Entfernung zwischen uns und dem liegenden Hund zu vergrößern.

Ablegen und Folgen frei bei Fuß

Ablegen

Bereits bei der Abrichtung im „Platz“ sind wir kurz auf das Ablegen eingegangen. Noch einmal ganz kurz: Die Übergänge zwischen "„Platz“ und dem Fach „Ablegen“ sind sicherlich fließend. Grundsätzlich darf der Hund aus der Platzposition abgerufen werden, während der abgelegte Hund stets von seinem Führer am zugewiesenen Platz abgeholt wird. Um dem Hund diesen Unterschied zu verdeutlichen ist es über die Maßen hilfreich die Abläufe ganz offensichtlich zu ritualisieren.

In einem Gelände ohne Ablenkung gehen wir mit unserem angeleinten Hund auf einen, bereits im Vorfeld, gut ausgewählten Platz zu. Dieser Platz muß es uns erlauben den dort abgelegten Hund so zu beobachten, daß er uns weder eräugen noch wittern kann, wir aber jeden Fehler sofort erkennen können. Am besten eignet sich für die ersten Übungen ein eingezäuntes Gartengrundstück.

Zusätzlich führen wir einen Gegenstand mit uns, von dem wir wissen, daß wir ihn im praktischen Jagdbetrieb stes bei uns haben. Dies mag beim einen Jäger der Rucksack sein, beim anderen der Hut. So ausgerüstet befehlen wir dem bei Fuß gehenden Hund auf Höhe des vorbezeichneten Ortes „Platz“ und legen zum liegenden Hund unseren Gegenstand. Das Kommando lautet nun „Bleib“ und wird durch die flache, mit der Handinnenfläche zum Boden weisende Hand ergänzt. Wie immer werden zu Beginn der Abrichtung Hör- und Sichtzeichen gemeinsam verwendet .

Bei den ersten Übungen verbleibt der Dressurstrick an der Dressurhalsung des Hundes. So abgelegt verlassen wir den Hund und beziehen unser Versteck von dem aus wir alles beobachten können. Sollte unser Hund den Platz verlassen, sich aufsetzen oder -stellen, müssen wir sofort einschreiten und den Hund mit Hilfe von Dressurstrick und – halsung unter Zwangseinwirkung wieder an den bezeichneten Ort zurückbringen.

Zur Überwachung des Hundes beim Ablegen hat es sich bewährt diesen nicht nur selbst, wie bereits erwähnt, zu beobachten, sondern sich eines sachkundigen Helfers zu bedienen. Dieser wird vor Übungsbeginn auf einer offenen Kanzel im Revier postiert. Außer Wind wird der Hund wenig später vom Hundeführer in unmittelbarer Nähe der Reviereinrichtung abgelegt. Jeder Versuch des Hundes den Platz zu verlassen oder sich aufzurichten wird von unserem versierten(!) Helfer mit der Zwille oder der zielsicher geworfenen Wurfkette geahndet.

Erst wenn unser Hund etwa zehn Minuten tadellos am zugewiesenen Platz verbleibt und von diesem stets abgeholt werden kann, nehmen wir den Dressurstrick bei den Übungen ab, legen ihn aber in der Folgezeit immer noch in Kopfhöhe des Hundes neben diesen. Mit der Zeit beginnen wir den Hund mit Ablenkungen aller Art zu konfrontieren. Hierzu gehört auch der in der Entfernung abgegebene Schuß.
Peinlichst genau ist darauf zu achten, daß der Hund sich erst dann aufrichten darf, wenn der Führer beim Zurückkehren an den Platz herangetreten ist. Jedes vorherige Verlassen des Platzes beim Wiederansichtigwerden des Führers ist konsequent zu unterbinden.

Es gibt eine ganze Reihe von Abrichtern, die das „Ablegen“ aus dem vorher gelehrten „Down“ aufbauen und ableiten. „Stillschweigend“ wird bei diesen geduldet, daß der Hund beim Ablegen die „Haltlage“ verändert. Ich halte von dieser Abrichtungsmethodik nichts. Ein „stillschweigendes Dulden“ hat erfahrungsgemäß weitergehende und oft unerwünschte Folgen.

Der Aufbau aus dem „Platz“ scheint mir logisch und ist auch leichter konsequent durchzusetzen. Zudem gehört das „Ablegen“ eines Hundes zu den notwendigsten Dingen im täglichen Umgang mit ihm. Frühzeitig beigebracht erleichtert es den Umgang gewaltig. Man kann den jungen Hund überall mitnehmen, ihn aber auch am zugewiesenen Platz liegen lassen. Eine Fähigkeit, die nicht nur auf der Jagd, sondern auch „außerjagdlich“ vieles vereinfacht. Auf diese Annehmlichkeit möchte ich nicht so lange verzichten müssen, bis der Hund im Down durchgearbeitet ist. Auch dies ist ein Grund für den anderen gedanklichen Aufbau.
Nicht oft genug wiederholt werden kann aber, wie wichtig es ist die Abläufe zu ritualisieren. So lernt der Hund am schnellsten und sichersten.

Folgen frei bei Fuß

Nicht weniger wichtig im täglichen Umgang ist das „Folgen frei bei Fuß“, bei dem der Hund ohne Leine sauber neben – oder, vor allem im schwierigen Gelände hinter dem Führer läuft. Eine solide Abrichtung in der Leinenführigkeit ist hier Grundvoraussetzung.
Bei den ersten Übungen verbleibt der Dressurstrick am Hund. Nach einigen kurzen Übungen in der Leinenführigkeit halten wir an und lassen unseren Hund sich setzen. Der Dressurstrick wird aus der Hand gelegt und mit Kommando „bei Fuß“ gehen wir wieder los. Unser Zögling folgt uns hierbei auf unserer linken Seite. Jedes Vorprellen oder Zurückbleiben wird durch rasches Ergreifen des am Boden schleifenden Strickes und entsprechenden Korrekturmaßnahmen im Keime erstickt. Die linke Hand liebelt den artig auf Kniehöhe laufenden Hund immer wieder ab. Belohnungsbrocken tun hier ihr Übriges.
Wenn die Übungen im Wiesengelände tadellos verlaufen, suchen wir ein Stangenholz auf und wiederholen die Übungen ähnlich denen der Leinenführigkeit. Erst wenn diese Übungen auch unter Ablenkung wirklich perfekt sitzen nehmen wir den Dressurstrick ab und laufen mit dem unangeleinten Hund. Notwendig erscheinende Korrekturmaßnahmen bedürfen aber in jedem Fall des Dressurstrickes. Daher ist eine saubere Vorarbeit Grundbedingung.

Down

Dieses Fach ist und bleibt Dreh- und Angelpunkt der Jagdgebrauchshundeführung Und dennoch – ich behaupte es wird von vielen Führern nicht mit der nötigen Sorgfalt und Konsequenz gelehrt.

Die korrekte Downlage

Wie geht man am besten bei der Abrichtung vor?

1.Nachdem unser Hund gelernt hat auf das Kommando „Sitz“ solange an der Stelle sitzend zu verharren bis er abgerufen wird, lassen wir ihn vor uns hinsitzen. Wie bei allen Abrichtungsvorgängen trägt der Hund dabei Dressurhalsung und Dressurleine.

2.Nun übergreifen wir mit den Händen beide Vorderläufe, ziehen sie nach vorne und legen den Hund in dieser Stellung auf den Boden. Zeitgleich drücken wir den Kopf des Hundes zwischen beide Vorderläufe. Nicht jeder Hund wird diese Lage problemlos einnehmen willen. Geduld und Konsequenz ist hierbei ebenso gefragt, wie die Gabe unserem Hund unmißverständlich klar zu machen, dass er sich auf den Zuruf „Down“ nicht nur schnellstmöglich in die „Haltlage“ zu begeben hat, sondern in eben dieser Lage solange zu verharren hat, bis wir ihn aus dieser abrufen.
Jeder (!) Versuch den Kopf zu erheben, sich seitlich auf die Schenkel zu legen, vorwärts zu robben oder ähnliches muss sofort und mit Nachdruck unterbunden werden. Dabei kniet der Ausbilder sinnvollerweise direkt neben seinem Hund und wiederholt dabei das akustische Kommando „Down“ wechselweise mit dem Trillerpfiff der Hundepfeife.

3.Erst wenn unser Lehrling sauber und ruhig liegt, erheben wir uns, lassen aber zur Verstärkung unserer Ausführungen die Spitze der mitgeführten Gerte auf dem Kopf des Hundes ruhen. Auch jetzt wiederholen wir immer wieder in bestimmender Tonlage das Downkommando, während der Hund nun das Sichtzeichen -die nach oben gestreckte Hand – mit seiner Position verknüpfen lernen soll. Jeder Bewegungsversuch wird sofort korrigiert.

4.Schnell wird der Hund die Unausweichlichkeit der Lage erkennen und ruhig verharren. Nach einer kurzen Wartezeit lassen wir ihn dann mir dem Kommando „Hier“ aufstehen und loben ihn.

Blitzartige Ausführung

5.Diese Vorgehensweise wird solange wiederholt bis der Hund die Haltlage willig einnimmt und in dieser auch ruhig verbleibt. Die Übungen sollten dreimal täglich zwischen zehn und fünfzehn Minuten durchgeführt werden.
Mit Hilfe des Dressurstrickes und der Dressurhalsung einerseits und der nach oben gerissenen, das Sichtzeichen drohend unterstützenden Gerte andererseits fördern wir dabei das blitzartige zu Boden gehen. Anschließende Übungen im „Hereinkommen auf Doppelpfiff“, „Leinenführigkeit“, „Sitz“ und „Platz“ lockern nicht nur auf, sondern veranlassen den Hund auch stets „mitzudenken“ und genau aufzupassen, was von ihm gerade verlangt wird. Unterläßt man diese Abwechslung, passiert es nur allzu oft, dass sich der Hund schon wenn man vor ihn tritt in die Haltlage begibt. Dies gilt es zu vermeiden!

6.Nun wird mit Hilfe der Feldleine langsam die Entfernung zwischen abgesetztem Hund und Führer gesteigert. Übungen im Hereinkommen auf Doppelpfiff und dem Down auf Sicht- und Hörzeichen wechseln sich dabei regellos untereinander ab. Sollte unser Hund nicht auf Trillerpfiff oder Armheben blitzartig zu Boden gehen, verkürzen wir sofort wieder die Entfernung. Bei allen Übungen ist peinlichst genau auf die korrekte „ Haltlage“ zu achten!

7.Sitzt auch dieser Teil der Abrichtung, beginnen wir mit dem Halt aus der Bewegung. Unser Zögling geht dabei angeleint bei Fuss und wird anfangs während des Schritttempos, später aus dem vollen Lauf heraus zu Boden getrillert. Gerte und Dressurhalsung werden dabei, je nach Wesen des Hundes, unterstützend eingesetzt. Diese Übungen werden mehrfach täglich solange durchgeführt, bis der Hund in jedem Gelände, in jedem Umfeld und in jeder Situation auf das Kommando blitzartig zu Boden geht.

8.Nun geht es hinaus ins Feld. An der langen Feldleine – vorzugsweise eine rote Kunststoff-Wäscheleine mit Stahlsehne – lassen wir unseren Hund auf kurz bewachsenen Feldschlägen und Wiesen in wildärmeren Revierteilen suchen. Auch hier achten wir darauf, dass sich der Hund auf das Kommando „Down“ blitzartig zu Boden bewegt und korrekt liegt. Der ins Down getrillerte Hund wird in dieser Abrichtungsphase jeweils aus der Haltlage abgeholt, nachdem er etwa eine 1/2 Minute lag. Jegliche Hast ist unangebracht. Ein Hereinpfeifen aus dem Down verbleibt vorerst.
Diese Übung bedarf Fingerspitzengefühl! Fortwährende, scharfe Downübungen im Felde lähmen den Vorwärtsdrang unseres Hundes in der Suche. Zu frühes unangeleintes Arbeiten gefährdet den Dressurerfolg.

9.Erst wenn die vorgenannte Übung sitzt, bringen wir unseren Hund an Wild.
Manchen Hasen, Kanin oder Reh hat unser Hund bis dahin schon freudig gejagt und nichts liegt uns ferner als ihm die Freude am Jagen zu vergällen. Wir wollen ja keinen wildreinen -, sondern einen wildgehorsamen Hund!

Vorzugsweise suchen wir mit dem Fernglas unsere Wiesen und Felder nach Hasen ab, die in der Sasse liegen. Mit gutem Wind gehen wir mit dem suchenden Hund an der Feldleine den Krummen an. Nimmt unser Hunde den Hasen nasenmäßig wahr, bevor dieser die Sasse verläßt, was häufig genug erst ganz dicht an der Sasse der Fall ist, fördern wir sein Vorstehverhalten. Bei „Nichtvorstehhund-rassen“ entfällt dies selbstverständlich. Langsam nähern wir uns weiter dem Hasen, der plötzlich die Flucht ergreift. Schnell werden wir jetzt erkennen, wie sauber unsere bisherige Dressur war. Geht unser Zögling auf Trillerpfiff sofort zu Boden gibt es zwei Möglichkeiten:

1.Der Hund kennt bis dato kein Wild und kann mit dem Hasen nichts anfangen, oder
2.Sie haben saubere Dressurarbeit geleistet. Herzlichen Glückwunsch!

Viel wahrscheinlicher aber ist der Fall, daß unser Hund alle gute Erziehung vergißt und dem Krummen lauthals nachsetzt. Jetzt heißt es kühlen Kopf bewahren und mit den behandschuhten Händen die Feldleine fest zu umgreifen. Kurz bevor sich die Feldleine streckt, trillern wir laut und anhaltend und lassen dabei unseren Hund in die gespannte Feldleine laufen. Schnell holen wir auf und setzen das Kommando Down mit allem Nachdruck im. Dass es dabei etwas heftiger und lauter zur Sache geht als bei der Sonntagspredigt im Mädchenpensionat dürfte klar sein. Liegt der Hund korrekt, lassen wir ihn ruhig längere Zeit in dieser Position verharren. Erst dann lassen wir ihn aufstehen und an der Feldleine(!) die von uns beobachtete Spur des Hasen unter Lob ausarbeiten. Dort wo wir den Hasen nicht weiter beobachten konnten, tragen wir unseren Hund lobend ab.
Diese Übung Übung wiederholen wir im Feld so oft –und so lange bis sie reibungslos klappt. In niederwildärmeren Gegenden kann diese Übung zusätzlich (!) mit Hilfe der Arbeit an der Reizangel vertieft werden. Selbstverständlich arbeitet man dann an dieser ohne Feldleine.

10. Erst jetzt ist der Zeitpunkt gekommen den Hund frei an Wild zu bringen und ihn „Down“ zu trillern. Wieder suchen wir uns eine Situation heraus, bei der wir wissen wo das Wild liegt und trillern unseren Zögling unmittelbar nachdem dieser das aufstehende Wild eräugt hat. Wenn die Vorarbeiten sauber sitzen, klappt es meist. Sollte er dennoch hetzen, warten wir auf den rückkehrenden hund und legen ihn genau an jener Stelle, an der er vorher getrillert wurde unter scharfen Ermahnungen längere Zeit ins „Down“ um danach die Übungen wieder mit der Feldleine aufzunehmen.

Es ist eine Erkenntnis der Praxis, dass es einen, wenngleich auch geringen, Prozentsatz an Hunden gibt, die trotz aller Mühe in der Abrichtung, das Kommando hinter Wild vor allem bei großer Entfernung zum Führer, nicht befolgen.

Was ist hier zu tun?

Stellen Sie Ihrem Hund einen erfahrenen (!) Abrichter vor und führen Sie ihm alle vorgenannten Arbeitsschritte vor. Oftmals ist „saubere Abrichtung“ eben doch eine Definitionsfrage.

Lassen Sie sich helfen!

Gehen Sie vor Ihrem geistigen Auge noch einmal den Dressurablauf durch. Haben Sie wirklich alles haarklein befolgt oder müssen Sie noch einmal zurückgreifen? Seien Sie selbstkritisch!

Geduld und nochmals Geduld sind bei allen Dressurmaßnahmen erforderlich. Wer diese Tugend aber gepaart mit Liebe zum Hund und eiserner Konsequenz aufbringt, wird einen wertvollen Jagdhelfer sein Eigen nennen dürfen, den er über das Kommando „Down“ in allen für Hund, Wild, Jagd und Mitmenschen brenzligen Situationen sicher in der Hand hat.